Nichtraucherwetter, Cowboy-Romane und nasse Löwen – Auswärts in Eichstätt

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Nichtraucherwetter, Cowboy-Romane und nasse Löwen – Auswärts in Eichstätt

VfB Eichstätt vs. TSV 1860 München (0:2) am 25.10.2026 – Text Spider, Bilder Andi

Knapp die Hälfte der berühmt-berüchtigten Splittergruppe „Videotext Löwen“ aus dem Spektrum der Berliner Hauptstadtlöwen machte sich am Sonntag auf den Weg nach Eichstätt. Klingt nach einer stattlichen Reisegruppe, waren aber tatsächlich nur zwei Personen. Immerhin: fast 50 Prozent Beteiligung! Davon können andere Organisationen nur träumen. Bereits am Mittwoch erreichte mich eine SMS meines Mitfahrers Andi mit folgendem Inhalt:

„Ab Samstag Herbststürme. Verträgt sich super mit Bahnfahren, bin jetzt schon genervt.“

Ende der Nachricht.

Und genau wegen dieser sympathisch-pessimistischen Grundeinstellung macht es mir immerwieder eine Riesenfreude unsere Löwen auswärts zu unterstützen. So hieß es am Sonntag, ganz getreu dem “Monaco is Jazz!” Motto:

„Aus’m Radio dröhnt Reggae, Icke Hässler tritt die Egge.“ Positiver Support, super locker-lässig und guad drauf – ab nach Eichstätt in den Hirsch-Sportpark!

Dank der Zeitumstellung auf Winterzeit startete ich einigermaßen ausgeschlafen in den Sonntag. Noch schnell am Biomarkt am Berliner Hauptbahnhof gestärkt, ging es so gesund wie selten auf ne Auswärtsfahrt.

Erste Etappe: Halle an der Saale.

Eigentlich sollte mein Mitfahrer aus Brandenburg bereits in Berlin dazustoßen. Aber wir hatten die Rechnung ohne die Deutsche Bahn gemacht. Ein Zugausfall sorgte dafür, dass sich unser gemeinsamer Treffpunkt kurzerhand nach Halle verschob. Dort wurde Andi eingesammelt und gemeinsam ging es weiter Richtung Nürnberg und anschließend mit diversen Regionalbahnen nach Eichstätt. Die Fahrt verging erstaunlich kurzweilig. Es wurde ausgiebig über Fußball, Gesellschaftliches und allerlei andere Themen geplaudert. Für besondere Erheiterung sorgte der zufällige Fund diverser Cowboy-Groschenromane, deren literarische Ergüsse uns mehr als einmal zum herzhaften Lachen brachten. Danke Doc Hollywood…

In Eichstätt angekommen, ging es zu Fuß durch das wirklich pittoreske Städtchen. Über die Spitalbrücke, vorbei am Eichstätter Dom, führte unser Weg zum wunderbaren Gasthaus Trompete.

Dort konnten wir unsere Eintrittskarten abholen. An dieser Stelle ein riesengroßes Dankeschön an Christian und Sandra für die Organisation! …denn zwischenzeitlich hatten wir durchaus Zweifel, ob wir überhaupt an Tickets kommen würden. Der Plan B, einen Klappspaten mitzunehmen und uns heimlich ins Stadion zu graben, konnte somit glücklicherweise verworfen werden.

Mit den Karten in der Tasche ging es weiter zu Fuß zum Stadion des VfB Eichstätt. Rund 2.800 Menschen fanden dort Platz, und gefühlt mehr als die Hälfte davon waren an diesem Sonntag Löwenfans.

Die Vorfreude war groß. Nicht nur auf das Spiel, sondern auch auf viele bekannte Gesichter, die man bei solchen Auswärtsfahrten immer wieder gerne trifft. Ob die Löwenfans gegen Rechts, die Tifosi della Tela, die Oberlandlöwen oder die Leute ausm Spektrum der “Ambar” – es gibt in unserem Löwenkosmos zum Glück viele Menschen, auf deren Begegnung ich mich jedes Mal freue.

Weniger erfreulich finden wir hingegen das Auftauchen der neuen Gruppierung “Sektor J” in dieser Saison, die laut dem a.i.d.a.-Archiv München (finanzieren sich u.a. über Spenden) dem rechten Spektrum zuzuordnen ist. Solche Entwicklungen gehören kritisch beobachtet. Rechte Strukturen weder in unserem Stadion, noch in unserer Gesellschaft!

Zum Glück überwogen an diesem Tag die schönen Begegnungen. Hier eine herzliche Begrüßung, dort eine kleine Anekdote, ein bisschen ratschen und gemeinsam auf das Spiel freuen. Und schwuppdiwupp verschlug es uns vor dem Anpfiff noch ins angrenzende Boxerstüberl. Dort wurde uns selbst gebrannter Obstler serviert, was der ohnehin schon guten Stimmung sicherlich nicht abträglich war. Entsprechend bestens gelaunt ging es schließlich ins Stadion. Auf den bereitgestellten Paletten wurde ein guter Platz gesucht, “Lambada” und “Videotext Löwen” Zaunfahnen aufgehangen und dann konnte es endlich losgehen.

Sportlich war es allerdings zunächst alles andere als ein Spaziergang. Die Löwen taten sich gegen die in dieser Saison besonders heimstarken Eichstätter ordentlich schwer. Zwar erspielten sich unsere Jungs zwei gute Möglichkeiten, konnten diese aber nicht nutzen. Auf der anderen Seite brauchte es einen starken Eicher und auch die eine oder andere Portion Glück, damit es mit einem 0:0 in die Halbzeitpause ging. Pünktlich zur zweiten Halbzeit öffnete der Himmel dann endgültig seine Schleusen. Und wenn schon Regen, dann bitte richtig. Mit Wind. Schuhe nass, Hose nass, Jacke nass, Geldbeutel nass. Selbst das ausgedruckte Zugticket durfte ein ausgiebiges Wasserbad nehmen. Aber wurscht!

Erste erwähnenswerte Szene in der 49. Minute. Ein Eigentor der Eichstätter brachte die Führung. Zumindest wurde mir das später so zugetragen, denn durch die Regentropfen auf meiner Brille war das Geschehen auf dem Rasen inzwischen nur noch als riesiges Gewurschtel wahrzunehmen.

Aber völlig egal!

Ekstase pur und kollektiver Freudentaumel bei den mitgereisten Löwenfans.

Den Rest der zweiten Halbzeit empfand ich so, als hätten die Löwen alles im Griff. Genau so wie ich, die verlässlich gebrachte Verpflegung in Form von Stadionwurst und Getränken. Auch wenn die Eichstätter durchaus ein paar Halbchancen hatten, um das Spiel wieder auszugleichen, konnten sie diese aber zum Glück nicht nutzen. Stattdessen schlugen die Löwen im Konter noch einmal zu.

Calderón machte den Deckel drauf! 2:0! Am Ende der Nachspielzeit! Gleichzeitig der Schlusspfiff!

Danach hieß es: fluxdi, flux alles zusammenpacken! Der Mannschaft wurde für diese kämpferische Leistung applaudiert und wie der “Bomber” schon vor Jahren an der Tür der Robinson Bar feststellte: “Monaco is Jazz!”? …zu hip zum abklatschen! Es sei uns heute verziehen…

Triefend nass machten wir uns auf den Rückweg. Über diverse Regionalbahnen ging es wieder nach Nürnberg und von dort mit dem ICE Richtung Berlin. Im Zug wurde dann konsequent alles durchprobiert, was irgendwie warm machte: heiße Nudelsuppen, Chili sin Carne, Chili con Carne – Hauptsache heiß und halbwegs sättigend.

Und siehe da: Trotz Herbststurmwarnung, Zugausfällen, diverser Regionalbahnen und komplett durchnässter Klamotten kamen wir tatsächlich ziemlich bequem gegen 22 Uhr wieder zu Hause an.

Ein rundum gelungener Auswärtssonntag mit drei Punkten, vielen schönen Begegnungen, reichlich Gelächter und jeder Menge Geschichten. Es macht einfach wahnsinnig viel Spaß, solche Reisen anzutreten. Das nächste Mal gerne wieder ein paar mehr Mitreisende…

8 Uhr Schule trotzdem da! Sechzig München wunderbar!

In diesem Sinne: Immer weiter, immer weiter!

Liebe Grüße

Euer Spider

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